Ratgeber Milchproduktion 2018

Guter Rat bleibt stets gefragt

Damit hat wohl kaum jemand gerechnet, dass im zweiten Halbjahr 2017 die Auszahlungspreise bis auf 40 ct/kg Milch ansteigen würden. Es gibt eben manchmal noch positive Überraschungen. Doch das hat die Verluste der letzten Milchpreiskrise längst nicht wettgemacht, denn am Tiefpunkt der Preiskurve im Frühjahr 2016 wurden kaum mehr als 20 ct/kg Milch gezahlt. Wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittlichen Kosten für die Erzeugung je Kilo Milch um 35 ct liegen, brauchen die meisten Milchviehbetriebe mehrere Jahre mit guten Milchpreisen, um die Verluste wieder auszugleichen. Und das Geld aus einem anderen Betriebszweig in die Milchproduktion zu stecken, macht auf Dauer wohl auch keinen Sinn. Deshalb sahen sich nicht wenige Unternehmen gezwungen,mit der Milchproduktion aufzuhören.

Milch wird aber weiterhin gebraucht, in Deutschland, in der EU und in der Welt. Also gilt es für die meisten Milcherzeuger weiterzumachen, auch wegen hoher getätigter Investitionen und der natürlichen Voraussetzungen auf Grünlandstandorten. Das soll aber nicht heißen: Weiter wie bisher. So wird es immer wichtiger, technisches und kaufmännisches Know-how zu optimieren. Das macht Betriebszweiganalysen und -vergleiche über mehrere Jahre zwingend erforderlich. Und dabei lassen sich in vielen Unternehmen noch Reserven aufzeigen. An vorderster Stelle ist das Grundfutter, vor allem Welksilage zu nennen. Alles was eine intensive Nutzung des Grünlandes hergibt, muss nicht vom Acker kommen bzw. zugekauft werden. Ein weiterer Punkt ist eine längere Nutzungsdauer der Kühe und eine dem Bestand angepasste Färsenaufzucht. Auch da lässt sich noch Geld sparen. Oft wird über eine Milchmengenreduzierung diskutiert. Die möglichen Kosteneinsparungen bei einer Drosselung der Produktion werden aber allgemein überschätzt. In einem Milchkuhbestand gilt tendenziell: Nichts ist so teuer wie Milch nicht zu produzieren! In der Regel werden mindestens die variablen Kosten plus Arbeitsentlohnung verdient.

Die Milcherzeuger können auch einen größeren Druck auf die Molkereien ausüben bzw. die Zusammenarbeit mit ihnen verstärken, indem sie sich zu Erzeugergemeinschaften zusammenfindenen und entsprechende Milchlieferverträge abschließen. Auch eine Branchenorganisation könnte die deutsche Milchwirtschaft voranbringen. Wenn es dann noch gelingen sollte, die gesellschaftlichen Anforderungen an das Tierwohl und den Umweltschutz mit dem Wohl der in der Milchviehhaltung tätigen Menschen zu verbinden, kann man optimistisch in die Zukunft blicken. Das erfordert allerdings einen über Jahre deutlich höheren Milchauszahlungspreis als im vergangenen Jahrzehnt. Deutschland ist ein Milchland und wird es dann auch bleiben.

Fritz Fleege, Redakteur

Inhalt:

  • 4 | Kräftige Erholung am Milchmarkt
  • 6 | Wenn die Interessen verbinden
  • 8 | Milch ist mehr wert ...
  • 10 | Künftige Preisabsicherung an der Warenterminbörse?
  • 12 | Ist nun die Welt in Ordnung?
  • 14 | Milchpreiskrise(n) im Rampenlicht
  • 17 | Milchproduktion langfristig betrachtet
  • 20 | Mit Gleichgesinnten Milch für den Markt bündeln
  • 22 | Milcherzeuger und Molkereien im Verbund
  • 23 | Gute Kondition und langer Atem
  • 25 | Proteinversorgung im Optimalbereich
  • 28 |Mit Kompakt-TMR zu höherer Leistung
  • 30 | Wie an einem Frühlingstag
  • 33 | Im Land der Mitternachtssonne

Produkt:

  • Umfang: 36 Seiten
  • Abmessung: 220 x 297 mm
  • Gewicht:  80g

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